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"Wir dürfen uns eine große Vorstellung vom Leben erlauben" - Prof. Manuela Rousseau

 Stellv. Aufsichtstratsvorsitzende Beiersdorf AG, Autorin & Mutmacherin

Manuela Rousseau ist stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Beiersdorf AG, Professorin, Autorin, in vielen ehrenamtliche Tätigkeiten involviert und hat für ihr Engagement die  Bundesverdienstmedaille erhalten. Seit Jahren engagiert sie sich für mehr Frauen in Führungspositionen und motiviert mit ihrer persönlichen, ungewöhnlichen Geschichte. 2019 erschien ihr Buch „Wir brauchen Frauen, die sich trauen“, mit dem Manuela Rousseau Mut macht und sehr offene und inspirierende Einblicke in ihren Lebensweg gibt. 

Wir brauchen Frauen, die sich trauen.‘ Aber brauchen wir nicht auch Männer, die sich auch trauen aus bisherigen Rollenklischees und Stereotypen auszubrechen?

Es geht um ein großes gesellschaftliches Zukunftsthema, das uns alle betrifft, da gehören auch die Männer dazu. Bislang bleiben viele Chancen und Potenziale ungenutzt. Um das zu ändern, müssen wir aufhören, Menschen in Schubladen zu stecken. Es ist einiges passiert, unter anderem die Einführung einer festen Quote im Aufsichtsrat. Es könnte vieles besser und einfacher sein, wenn wir nicht unnötig an alten Klischees und am heutigen Status festhalten würden. ‚Die beste Zeit für Männer ist jetzt‘ denn auch Männer kommen aus einer hierarchischen Zeit, in der sie Alleinverdiener in der Familie waren und oft die alleinige Verantwortung zu tragen hatten. Mittlerweile gibt es so viele gut ausgebildete Frauen, deren Wissen die Gesellschaft nicht voll ausschöpft. Wir brauchen Mut alte Dinge zu hinterfragen, zu schauen was nehmen wir auf die Reise in die Zukunft der Arbeitswelt mit. Wir sind in einer ganz anderen Zeit mit anderen Rahmenbedingungen angekommen. Darauf geben wir viel zu oft alte Antworten – das müssen wir ändern, Prozesse und Abläufe auf den Prüfstand stellen und neue Antworten finden.

Wir beide kennen die Vorteile von Frauennetzwerken. Wie schaffen wir es Frauen- und Männernetzwerke künftig besser miteinander zu verbinden?

Frauen haben Nachholbedarf. Männer sind es seit Jahrhunderten gewohnt sich und ihre Kompetenzen gegenseitig zu stärken und zu akzeptieren, miteinander im Wettbewerb zu stehen. Das sind Dinge, bei denen Frauen erst langsam aufholen. In meinen Lesungen und Netzwerken entstehen intensive Diskussionen, in den Frauen sich öffnen, voneinander lernen, statt sich als Konkurrentinnen wahrzunehmen. Im Moment suchen Frauen in weiblichen Netzwerken Solidarität, um zu einem neuen Miteinander zu gelangen. Natürlich ist es richtig, dass wir gemischte Netzwerke brauchen. Gerade berufliche Netzwerke sind überwiegend männlich dominiert. Frauen halten Verbandsarbeit zu oft für Zeitverschwendung. Das ist eine verpasste Chance, für sich und für andere Frauen, um weibliche Karrierewege möglich zu machen. Wir brauchen uns gegenseitig und sollten mutig gemeinsam die Zukunft gestalten.

Sie sind seit 1999 im Aufsichtsrat der Beiersdorf AG. Welche positiven Veränderungen haben Sie seitdem in großen Unternehmen beobachtet, wenn es um Führung und Kultur geht?

Aus meiner Perspektive als Aufsichtsrätin konnte ich viele Veränderungen beobachten. In den 90ern war alles sehr hierarchisch. Es gab ganz klar die Seite der Anteilseigner und die Arbeitnehmerseite. Es gab kaum eine offene Diskussionskultur, Begegnung auf Augenhöhe war nicht gegeben. Das hat sich geändert. Zum einen durch den Zeitgeist aber auch durch die Quote die 2015 eingeführt wurde. 2019 war die Arbeitnehmerseite im Beiersdorf Aufsichtsrat zum ersten Mal paritätisch besetzt, es hatten sich so viele Frauen wie nie zuvor für das Mandat beworben. Die Quote hat eine Beschleunigung gebracht und dadurch auch eine andere Kultur, an erster Stelle eine bessere Diskussionskultur. Konkretes Beispiel: Es musste eine Entscheidung zur Vorstandsvergütung getroffen werden. Ich hatte noch Fragen zu diesem komplexen Thema und wollte es im Detail verstehen, bevor ich eine Entscheidung treffe. Ich bat den Vorsitzenden um mehr Informationen: „Ich finde, das ist ein sehr komplexes Thema und würde mich freuen, wenn mit mir jemand dieses Thema im Detail durchgeht“.  Erst gab es etwas Erstaunen im Raum, dann stimmten fast alle zu und nahmen an einer Informationsveranstaltung teil. Mit jeder Frage, die ich stelle, kann es passieren, dass ich eine Wissenslücke offenlege. Aber genau das führt zu einer neuen Diskussionskultur. In früheren Zeiten konnte der Vorsitzende durchregieren, jetzt dauern die Sitzungen manchmal 8-10 Stunden, die vorher in 3 Stunden abgearbeitet waren.

Führung bedeutet, dass Führungskräfte in Zukunft viel mehr zu einem Coach für Mitarbeiter werden und sie ihnen Orientierung geben müssen. Dazu gehört immer wieder Wertschätzung, Wertschätzung, Wertschätzung!!! Das ist meine Währung, damit kann ich mehr erreichen und auch mehr Zufriedenheit erlangen. Kulturveränderung hängt auch davon ab, ob Unternehmen und Manager ihr Handeln nach den Bedürfnissen der Kunden ausrichten. Es geht darum, das Vertrauen der Verbraucher aufzubauen oder es zu erhalten, die Qualität der Produkte und nachhaltiges Wirtschaften zugunsten von Verbrauchern werden zu Erfolgsfaktoren. Kurzfristige Gewinnmaximierung zu Lasten der Umwelt wird abgestraft.

Sie schreiben, heute geht es darum, Wandel als Kultur im Unternehmen zu leben. Wie gelingt es eine solche Kultur aufzubauen und zu leben?

Das beste Beispiel dafür ist für mich das Krisenmanagement von Beiersdorf. Wenige Tage nach Beginn der Corona Krise, setzte Beiersdorf ein 50 Millionen Euro Solidarpaket auf. In sehr kurzer Zeit stellte das Unternehmen Desinfektionsmittel her, die sehr knapp waren. Nicht um sie zu verkaufen, sondern um diese zu verschenken, an Krankenhäuser, Altenheime und weitere Einrichtungen. Unicef und Ärzte ohne Grenzen erhielten Spenden und Tochtergesellschaften bekamen Budgets zur Verfügung gestellt, um lokale Non Profit Projekte zu unterstützen. Bei Beiersdorf wurde auch ein interner Solidarpakt geschlossen. Das bedeutet vom Aufsichtsrat bis zu den Mitarbeiter*innen wird auf Gehalt oder Urlaub verzichtet, so konnte auf Kurzarbeit verzichtet werden. Führung bedeutet Wertschätzung und gegenseitiger Respekt, wenn das vom Vorstand und CEO vorgelebt wird, dann lebt auch die Unternehmenskultur.

Mit 26 Jahren standen Sie vor einem ziemlichen Scherbenhaufen. Was hat Ihnen geholfen, Kraft und Mut in dieser Situation zu schöpfen?

Ich glaube wir müssen eine neue Haltung entwickeln zum Thema Scheitern. Damals war mein Job weg, ich musste 28 Leute entlassen und die Ehe war gescheitert. Das war über jede Grenze, da ist man tief deprimiert und oft auch hilflos. Aber es gibt immer irgendwo eine Hand, die einem hilft. Die kommt nicht von alleine, sondern man muss den Mut haben auf jemanden zuzugehen und einzugestehen ‚ich bin in einer Krise, ich schaffe das nicht allein‘. Als ich damals in dieser Situation war, kam ein älteres Ehepaar auf mich zu, sie waren Konkurrenten von meinem Unternehmen. Sie erkannten meine Situation, wollten mir helfen. Diese Geste war wirklich sehr besonders, denn ich stand wirklich mit dem Rücken zur Wand. Ich war nicht zu stolz und habe ihr Angebot bei ihnen zur Aushilfe zu arbeiten angenommen. Man darf keine Angst haben um Unterstützung zu bitten und es ist wunderbar, welche Türen sich plötzlich öffnen. Ich habe in der Krise gelernt, immer und immer wieder die eigene Komfortzone zu verlassen. Das hat mir geholfen, Resilienz zu entwickeln und zeigt, dass Niederlagen oft ein Neubeginn sind.

Sie sagen selbst, dass Sie einen ungewöhnlichen Werdegang haben, u.a. weil Sie kein Studium absolviert haben. Was raten Sie Frauen, die ebenfalls einen ungewöhnlichen Werdegang haben, wie sie damit (selbstbewusst) umgehen können?

Authentizität ist ein Schlüssel. Für mich war es ein langer, harter Weg. Es ist wichtig, dass wir unser Handeln nach einem eigenen inneren Kompass ausrichten und nicht an Erwartungen von anderen. Was sind wirklich meine Wünsche, wohin möchte meine Sehnsucht mich führen? Wenn ich zufrieden und selbstbestimmt leben möchte, muss ich auch unbequeme Wege gehen und herausfinden: Was will ich? Wofür stehe ich? Wofür brenne ich? Mir hat es geholfen zu verstehen, dass ich es selbst es in der Hand habe ein glückliches, selbstbestimmtes Leben zu führen oder meinen Ängsten zu viel Raum zu geben. Die erste Variante führt zur Unabhängigkeit, die zweite zu Abhängigkeiten und meistens zu vielen Kompromissen. Wir dürfen uns eine große Vorstellung vom Leben erlauben!

Liebe Frau Rousseau, herzlichen Dank für das Interview!

 

 

Photo: Henriette Pagoda

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