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Von der Newcomerin zur Erfolgsgeschichte

Hast du dich schon mal gefragt, was du tun würdest, wenn du keine Angst hättest? Diese Schlüsselfrage wurde Jenni Baum-Minkus bei einem Abendessen mit Freunden gestellt. Jenni ist Gründerin von gitti, und hat die erste vegane, geruchsneutrale und auf Wasser basierende Nagelfarbe entwickelt. Im April 2019 hat sie ihre erste Kollektion herausgebracht.  Leonie hat mir ihr über die Entstehung von gitti gesprochen und welche Rolle Intuition spielt. 

Als „klassisches Konzernkind“, wie Jenni sich selbst bezeichnet, hatte sie bereits international Erfahrungen bei großen Marken gesammelt und diverse Positionen besetzt. Zuletzt war sie bei Coca-Cola verantwortlich für „Women in Leadership“ in 13 europäischen Ländern.  Doch eines Abends im Dezember 2017 merkte Sie, dass etwas bei ihr nicht stimmte. Irgendetwas brütete in ihr und nach einigem hin- und her wälzen auf dem heimischen Teppich kam es aus ihr raus: „Ich kündige meinen Job“ sagte sie zu ihrem Mann, sprang auf, checkte ihre Kündigungsfrist und rief sofort ihre Mutter an, um ihr von ihrer Entscheidung zu erzählen.

Eine Woche später kündigt sie tatsächlich, sehr zur Verwunderung ihres Umfelds. „Alle dachten ich spinne“ doch Jenni ist ein „totaler Bauchmensch“ und hört auf ihre Intuition. Das tut sie mit voller Überzeugung „viel zu oft suchen wir nach Antworten im außen und haben verlernt nach innen zu hören, auf unsere eigene Stimme“.

Einige Wochen nach der Kündigung und noch ohne konkreten Plan was ihr nächstes Ziel ist, wird sie zu einem Abendessen bei Freunden eingeladen. Sie hat ein Polaroid Foto von diesem Abend immer dabei denn von da an war sie „infiziert“ von: Nagellack! Sie unterhielt sich an diesem Abend mit einer Frau, die voller Energie und einem Funkeln in den Augen davon erzählte, wie sie ihre eigene Idee verwirklichte und dann die entscheidende Frage an Jenni stellte „Was würdest du machen, wenn du keine Angst hättest?“. Der erste Gedanke, der Jenni in den Kopf kam war Glitzernagellack. „Wie peinlich, das sage ich auf keinen Fall“, dachte Jenni und antwortete stattdessen „tolle Frage, da muss ich erst mal drüber nachdenken“. In jener Nacht konnte sie nicht schlafen und fing nachts um 4 Uhr an, über Nagellack zu recherchieren und saß bis zum nächsten Mittag ihrer Küche. 

Gefesselt von den Ergebnissen ihrer Recherche nutzt sie fortan jede freie Minute, um mehr heraus zu finden. Die Ergebnisse sprudeln aus ihr heraus „Traditionelle Lacke können Stoffe enthalten, die krebserregend sein, sich auf den Hormonhaushalt auswirken und die Fortpflanzungsfähigkeit einschränken können. Bereits zwei Stunden nach Auftragen können giftige Stoffe im Urin nachgewiesen werden. Und dass Nagellack wegen der Inhaltsstoffe offiziell beim Transport als Gefahrengut deklariert werden muss, wundert mich dann irgendwie auch nicht mehr. Das schreit ja förmlich nach Innovation!”

 

Wie aus einer Idee ein Unternehmen wird

Und so war Glitzernagellack nicht mehr das Thema, vielmehr die Frage „wie kann man es anders machen“ und eine Alternative zu herkömmlichen Nagellack bieten. Jenni hat alle Patente zu Kosmetikprodukten in Europa gelesen, Excel Listen mit Inhaltsstoffen angelegt und ihr wurde klar „ich muss etwas entwickeln, was es noch nicht gibt und meinen Ansprüchen gerecht wird“. 

Kurzum legte sie los: Sie schickte einen Fragebogen an über 400 Frauen, um herauszufinden, ob auch andere Nutzer*innen über die Wirkung von Nagellack Bescheid wissen. Parallel kontaktierte sie Beauty Expert*innen, Redaktionen und sprach mit Produktentwicklern. „Der erste Produktentwickler hat mich ausgelacht“, sagt sie selbst mit einem Lachen.  

Obwohl sie keine Erfahrung in der Produktentwicklung hat, setzt sie alles daran ihr Traumprodukt herzustellen „zu 1000% überzeugt davon“ und findet schließlich auch einen Produktentwickler, mit dem sie den ersten Prototypen entwickelt.  Erste Tests im Kreis der Freundinnen fallen nun ja, kritisch aus. Auf der Pro Seite steht ein Punkt auf der Kontra Seite reicht fast der Flipchart nicht mehr. Doch von aufgeben keine Spur „ein Schritt führt zum nächsten“. 

„Ich wollte dieses Produkt aber ich habe nicht daran gedacht ein Unternehmen zu gründen“. Klar ist aber, dass sie neben der Produktentwicklung noch viel mehr beachten muss, um eine erste Kollektion heraus zu bringen. Im Juli 2018 nimmt sie an unseren ersten Grace Summer Camp teil. Am ersten Tag ist es unangenehm über ihre Produktidee zu sprechen „das absolute Klischee: Frau & Beauty gleich Stereotyp“. Eine Grace Mentorin bestärkte sie ihre Vision weiter zu verfolgen „es gibt keinen Grund dich zu schämen - leg diese Haltung ab!“. Wie wahr! Jenni hat den ersten Platz des Grace Demo Day‘s gewonnen. Kurz danach erhält sie ein Angebot für den Kauf ihrer Idee und stand vor der Entscheidung die Idee zu verkaufen oder aber selbst weiter zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Einen Tag vor der finalen Entscheidung telefonierte mit ihrer Mutter und bekam die klare Ansage, sich auf die eigene Umsetzung zu fokussieren Damit war nicht nur klar, dass Jenni ihre Idee nicht verkauft, sondern auch der Name gitti, die Kurzform von Brigitte dem Namen ihrer Mutter, war geboren. „Ohne diesen Moment und diesen Anruf würde es gitti vielleicht heute gar nicht geben“.

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