Alexander Mazzara und Claudia Winkler

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»Einen Co-Founder zu finden, ist ein bisschen wie heiraten.«

Über Alexander Mazzara und Claudia Winkler

Claudia und Alexander haben beide ein HR-Startup gegründet und sich kennengelernt, als Alexander auf der Suche nach einem besseren Matching-Algorithmus war. Statt es nur bei einer Kunden- und Lieferantenbeziehung zu lassen, war beiden schnell klar, dass sie ihre beiden Startups zusammenschliessen und gemeinsam als Lionstep den Markt angehen wollten. Alexander ist ein Serial Entrepreneur und berät und coacht mit Herzblut Startups und deren Founder. Momentan ist er vor allem als Head of Revenue & Product von Lionstep tätig, einer schnell wachsenden digitalen Recruiting-Plattform, die derzeit auf dem deutsch- und spanischsprachigen europäischen Markt tätig ist. Claudia ist Mitgründerin und CEO der Lionstep AG mit Sitz in Zürich. Vor der Gründung von Lionstep im Jahr 2016 war sie vier Jahre lang als Investment Manager im Private Equity Umfeld tätig. Wir haben mit den beiden unter anderem darüber gesprochen, wie man als Startup das passende Team findet und weshalb immer noch deutlich weniger Frauen als Männer in Führungspositionen zu finden sind.

NAMEN: ALEXANDER MAZZARA & CLAUDIA WINKLER

PROFESSION: CO-FOUNDERS

FIRMA: Lionstep


In welchen Momenten habt ihr zu Beginn eurer Karriere gemerkt, dass Gründen der richtige Weg für euch ist?

C: Ich habe neben der Uni mit 19 Jahren – gemeinsam mit einer Studienfreundin – mein erstes Unternehmen gestartet. Danach habe ich immer Positionen inne gehabt, die es mir erlaubt haben, selbständig und mit viel Verantwortung zu arbeiten. Wenn man gerne selber Dinge umsetzt, Menschen motivieren will und keine Angst vor Niederschlägen und dem Ungewissen hat, ist eine eigene Firma oder Projekt eine natürliche Konsequenz.

Ihr habt beide keinen Hintergrund im Tech-Bereich. Wie habt ihr das Gründen eines Tech-Startups erlebt?

A: Wie immer im Leben hat alles seine Vor- und Nachteile. Bei den meisten Startups ist es ja nicht ein unglaublich verrückter Code, der die Welt verändert. Oft ist es eine Kombination von Technologie mit einem angepassten Business Modell. In solchen Fällen ist das Business genauso wichtig – das sollte dann die Stärke der Gründer sein. Natürlich brauchen sie ganz schnell einen starken Techie an ihrer Seite.

C: Wenn man etwas nicht zu 100% versteht, ist das Risiko groß, dass man Lehrgeld bezahlen muss. Das ist uns ebenfalls mit Lionstep passiert, bis wir ein effizientes und produktives Tech-Team aufgestellt habenen. Die fehlende Erfahrung im Umgang mit Tech-Projekten führt aber nicht nur in Startups zu Verzögerungen und Sunk Costs. Die großen Digitalisierungsprojekte in bestehenden Organisationen sind viel anfälliger auf Fehlmanagement, da kleine Fehler nicht einfach weggebügelt und Entscheidungen nicht innerhalb weniger Stunden wieder verworfen werden können.

Mit Lionstep verbindet ihr HR und Recruiting mit klugen Algorithmen und habt dadurch einen tiefen Einblick in den Einstellungsprozess bei Unternehmen. Wie erklärt ihr die geringe Anzahl an Frauen in hohen Führungspositionen?

A: Viele Führungspositionen werden nicht durch externe Hires besetzt, sondern durch interne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Insofern würde ich die Erklärung nicht nur beim Recruiting suchen. Das Problem hat vielschichtige Ursachen und ist gleichzeitig ein Abbild unserer Gesellschaft. Gerade darum braucht es Initiativen wie das Grace Summer Camp.

C: Als Frau Karriere zu machen und gleichzeitig Mutter zu sein ist noch immer nicht in allen Industrien, Bereichen und Unternehmen möglich. Glücklicherweise sehen wir einen Trend hin zu Jobsharing, Vaterschaftsurlaub und Onsite-Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, was die Anzahl der Frauen in Führungspositionen über die nächsten Jahre hinweg positiv verändern wird. Wie Alexander richtig bemerkt, werden Führungspositionen oft intern besetzt und das Sourcing hat wenig Einfluss. Auch hier ist somit die Einstellung des Managements extrem wichtig, welches die richtigen Voraussetzungen für Frauen in Führungspositionen schaffen kann.

Wie lang sollte man einer Gründungsidee eine Chance geben, bis man entscheidet, etwas anderes zu probieren?

A: Aus meiner Sicht ist es essentiell, frühzeitig an den Markt zu gehen und den Service oder das Produkt sehr, sehr schnell zu testen. Erst mit echtem Kundenfeedback lernst du, ob und wieso dein Produkt gekauft wird. Wenn es dir kaum gelingt, Kunden zu überzeugen, dann muss das Produkt massiv geshiftet werden.

Wie können Nachwuchsgründerinnen das richtige Team finden, wenn sie unbekannt sind und noch keine hohen Gehälter zahlen können?

A: Ein Startup hat bestimmt keine hohen Gehälter zu bieten, aber dafür sonst sehr viel. Jedes Teammitglied trägt große Verantwortung, kann mitentscheiden und trägt täglich sehr viel zum Ganzen bei. Außerdem sollte jedes Startup in der Phase an einer Vision arbeiten, die für jeden einzelnen Sinn ergibt. All das ist bei großen Unternehmen kaum der Fall. Darum sollten sich Startups auf keinen Fall verstecken oder auf dem Talentmarkt schlecht verkaufen.

Woher wusstet ihr damals, dass ihr als Co-Founder zusammenpasst?

C: Entscheidend ist, die gleichen Werte zu teilen. Mir sind Transparenz, Vertrauen, Respekt und Humor sehr wichtig – Alexander ebenfalls. Zudem können wir beide unser Ego ziemlich gut zurückstecken. Das ist enorm wichtig, da man regelmäßig Diskussionen führt, bei denen man nicht immer gleicher Meinung ist. Bei uns im Team gewinnt meistens die objektiv beste Lösung. Das ist eine Umgangsweise, die ich nie wieder missen möchte.

A: Eine oder einen Co-Founder zu finden, ist ein bisschen wie heiraten. Diese Entscheidung sollte keiner leichtfertig treffen, denn so einfach kann man sich nachher nicht mehr trennen. Darum ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, dass man sich vorher viel Zeit nimmt.


Alexander und Claudia – vielen lieben Dank für das Interview!