Interview mit Dr. Sophie Chung, Gründerin des Healthcare-Startups »Qunomedical«

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»No Assholes«

 

Über Dr. Sophie Chung
Das Thema Healthcare war schon immer Sophie Chungs Passion. Im Hauptfach hat sie Medizin studiert. In ihren Nebenfächern Philosophie und Sinologie hat sie sich mit Medizintheorie und Traditioneller Chinesischer Medizin beschäftigt. Sie hat schon als Stammzellenforscherin gearbeitet und hat bei »McKinsey« Gesundheitsversicherungen, Krankenhäuser und das Gesundheitsministerium beraten. Beim New Yorker Startup »Zocdoc« war sie für die Healthcare Strategie verantwortlich. Mit ihrem eigenen Startup »Qunomedical« öffnet sie die räumlichen und zeitlichen Grenzen der Medizin und stellt Patienten die besten medizinischen Behandlungen weltweit zur Verfügung. Als Mentorin beim Summer Camp unterstützt Sophie Gründerinnen bei der Weiterentwicklung ihrer Startup-Idee.

Update 1.12.2017: Liebe Sophie, herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung mit dem Digital Female Leader Award 2017 für Entrepreneurship!

 

Name: Dr. Sophie Chung

Profession: Gründerin des Healthcare Startups »Qunomedical«

Web: www.qunomedical.com


Der Arztbesuch ist etwas sehr privates. Wie übersetzt man Vertrauen digital?
Vertrauen setzt sich aus vielen kleinen Dingen zusammen, die zu einem Großen Ganzen führen. Patienten finden und kontaktieren uns über das Internet und geben uns ihre Daten - es gibt sehr viele Aspekte, die wir bei unserer Arbeit berücksichtigen müssen. Ein wichtiger Punkt ist Ehrlichkeit. Wir sagen unseren Patienten auch, wenn eine Behandlung aus ärztlicher Sicht im Moment keinen Sinn macht. Wir sind dazu unheimlich schnell. Wir antworten innerhalb von 24 Stunden und sind rund um die Uhr erreichbar. Sichtbarkeit ist auch wichtig. Auf unserer Website sind viele Bilder von unserem gesamten Team, sodass man weiß, mit wem man am Telefon spricht. 

 

Du hast in Rekordzeit ein rentables Startup aufgebaut. Welchen Rat kannst du an angehende Gründerinnen weitergeben?
Viele Gründer vergessen, auf ihre Daten zu schauen. Man hat als Gründer eine starke Intuition und ist von der eigenen Idee überzeugt. Das ist wichtig aber bringt auch die Gefahr mit sich, dass man blind in eine Richtung läuft, ohne sich umzuschauen. Daten können helfen, die eigenen Pläne immer wieder mit seinem Umfeld und dem Markt abzugleichen. Dafür muss man früh eine Infrastruktur aufbauen. Wir haben ein komplettes Data Warehouse im Hintergrund laufen, mit dem wir den gesamten Kundenverlauf analysieren können. Automatisierung hilft extrem bei Transparenz, Effizienz und Genauigkeit.

 

Wie hast du es geschafft, so früh so gute Investoren zu finden?
Man muss andere davon überzeugen können, warum die Idee gerade jetzt einen Platz in der Welt hat und warum man selbst das beste Team für die Umsetzung ist. Ohne das richtige Team ist die beste Idee wertlos. Mit dem richtigen Team kann man die Weltherrschaft erreichen. Wenn die Geschichte aus innerer Überzeugung heraus erzählt wird und auch belegbar ist, ist man auf einem guten Weg, die richtigen Investoren zu finden. 

 

Hast du schonmal Investoren abgesagt und wenn ja - warum?
Ja. Einer unserer Unternehmenswerte ist ‘No Assholes’. Das gilt in meinem Team und darauf achte ich auch in unserem Investorenkreis. Wir haben Investoren abgelehnt, wenn wir nicht das Gefühl hatten, dass alle am gleichen Strang ziehen und uns die gleichen Ziele und Werte vereinen. Es gab Investoren, die zum Beispiel ein anderes Businessmodell einführen wollten und das zur Bedingung gemacht haben. Für mich als Gründerin ist es wichtig, mein Business nach meiner Vision aufzubauen und deswegen habe ich diesen Investoren dann abgesagt. Gute Investoren zeichnen sich für mich dadurch aus, dass es eine klare Rollenverteilung gibt. Gründer sind Gründer und Investoren sind Investoren.


Ihr arbeitet extrem schnell und effizient. Wie schaffst du es, dass dein Team zufrieden bleibt und nicht überfordert ist?
Wir leben eine high performance Kultur. Das fängt bei mir an und geht beim Team weiter. Das ist nicht für jeden das richtige. Als Gründerin ist es eine Herausforderung, die richtigen Leute zu finden, die mit einem zusammen das Startup aufbauen und im schlimmsten Fall auch mal in die Nacht hinein da bleiben. Diese Mitarbeiter aufzubauen und zu halten erfordert sehr viel Commitment, Aufmerksamkeit und Coaching. Das sind junge, erfolgreiche Menschen, die viel lernen wollen. Man muss ihnen den Platz geben, sich zu entfalten und zu wachsen und auch immer den offenen Diskurs suchen. Viele smarte Leute an einem Ort werden unterschiedliche Meinungen haben. Wichtig ist, dass man sich am Ende immer die Hand geben und mit einem Lächeln den Meetingraum verlassen kann. 

 

Wie geht man damit um, wenn es mit einem Teammitglied nicht klappt?
Niemand feuert gerne. Als Arbeitgeber hat man eine hohe Verantwortung und muss sich bewusst sein, was eine Kündigung mit einem Menschen macht. Andererseits darf man nicht vergessen, dass man ein starkes internes Signal damit sendet, welche Menschen man akzeptiert und welche nicht. Rückblickend bereue ich keine Entscheidung, die ich in dieser Hinsicht getroffen habe. Man sollte Mitarbeiter nicht nur gegen Zahlen und Leistung messen, sondern auch gegen Werte. Oft geht das Eine mit dem Anderen einher. 

 

Gründen bedeutet Stress und viel Arbeit. Wie gehst du damit um?
Ich habe ein sehr enges soziales Netzwerk, das mich unterstützt hat und in dem ich mich fallen lassen kann. Es ist wichtig, einen Ort zu haben, an dem man auch mal schwach und verletzlich sein kann. Ich hatte dazu immer unterschiedliche Menschen, an die ich mich in verschiedenen Situationen wenden konnte. Das geht von Mentoren, die mir fachlichen Rat geben, bis zu meinen Freunden, die mich nicht als Gründer sehen und mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück holen. Als Gründer schauen in schwierigen Situationen alle auf dich. Das ist ein Druck, dem man nur standhält, wenn man sich und anderen auch mal sagt: “Ich kann jetzt gerade nicht”. Und: man sollte immer Platz für das eigene Leben und eigene Interessen lassen, egal, wie viel man arbeitet. 

 

Wann hast du dich entschieden, zu gründen?
Wie beim Heiraten gibt es nie den perfekten Zeitpunkt. Die Idee zu »Qunomedical« ist in meinem Kopf über Jahre gereift und ich konnte nicht mehr nicht daran denken. Irgendwann habe ich »Project A« getroffen, die meine Idee super fanden und dann auch mein erster Investor geworden sind. Zu diesem Zeitpunkt stand ich vor der Entscheidung, was mein nächster Karriereschritt ist. Es hat sich für mich ein bisschen zu früh angefühlt aber ich habe mir gedacht: “Wann, wenn nicht jetzt?” und den Sprung ins kalte Wasser gewagt.

 

Sophie, vielen Dank für das Interview!
 

Leila OppermannMentor